Manel Rodriguez

Am Sendlinger Tor, München.
„Normalerweise schnorr’ ich hier um die Zeit.“

Der Punk beansprucht seinen Schnorrer-Spot.
Von wegen verlauste Nichtstuer.
Die Schnorrerszene ist gut organisiert, arbeitet nach Zeitplan und Regeln.
Auch irgendwie ein Job.
Manel schlägt einen Deal vor:
„Du und Deine Freundin, ihr bekommt 10 Euro von meiner Gage, wenn ich hier fertig bin.“
“Ey, ich krieg Kohle von dir dafür,dass du für uns Mucke machst. Solltest wirklich öfter hier spielen, man…“

Straßenmusiker sind eine eigene Zunft. Auf der einen Seite: der etwas verkommene Hippie-Kitsch, gemischt mit dem gesellschaftspolitischen Statement, sich so unabhängig zu machen, dass man als Musiker nicht einmal auf Clubs und Bühnen angewiesen ist. Auf der anderen Seite: der Musiker als folkloristischer Touristen-Fänger. So ganz kann man sich die Münchner Songwriterin Manel Rodriguez in diesem Umfeld nicht vorstellen, obwohl sie die Straße als ihre erste Bühne benutzt.

Doch zu introvertiert ist ihre Stimme, als dass man sie sich marktschreierisch im öffentlichen Raum vorstellen kann. Denn ihr Timbre ist besonders: In ihre zarten Songs legt sie den trotzig-naiven Klang eines Kindes, der die Musik zwischen lolita-hafter Raffinesse und jugendlicher Hingabe schwanken lässt. Mit 13 hat sie angefangen, ihre Texte an der Gitarre zu vertonen. Im vergangenen Januar folgte die Veröffentlichung der B-Seite einer Slut-Single, für die sie den Song „Remote Controlled“ der Band coverte: Ein – mit einer flirrend-einsamen E-Gitarre – sparsam instrumentierter Track, in dem sie mehr hauchend als kraftvoll singend die Pop-Melodie des ursprünglichen Liedes erkennen lässt.