El Zitheracchi

TOTER WINKEL, OBERBAYERN (DE) – Wir schreiben das Jahr 2013 nach der Geburt eines Zimmermannssohnes. Die deutsche Zitherlandschaft blüht und gedeiht. Ein Übelblick.
Soeben hat sich der volksmusikalische Wirtskörper erneut im Grabe herumgedreht. „Damit ist unsere Zitherkratur gerettet!“ bejubelt Prof. Dr. Gryphigenius Grauhmaus vom Verband Deutscher Zitherspüler die aktuellen Aufmerksamkeitswerte des Deutschen Zither Index (ZIX). „Dieses typische postmortale Muskelzucken auf einem totgespielten Instrument ist ein überwältigender Beweis für die nekrophile Relevanz unser einheimischen Zither-Fauna“, konstatiert der 89-jährige Zitheraturpapst und Inhaber des Leerstuhls für Zitherologie am Deutschen Institut für bedrohte Spielarten.

Jedoch seien „frei laufende Zitheriden und zitheroide Organismen außerhalb der Kirchen- und Heimatreservate leider immer noch extrem selten. Das gefährdet auf lange Sicht die Artenvielfalt unserer heimischen Zitherpopulation.” Grauhmaus muss es wissen, hat er doch durch sein jahrzehntelanges Wiederkäuen von weichgespülten Volksmusikpartituren wesentlich dazu beigetragen, die Zitherkunst in Rang und Ruf eines Lokalanästhetikums zu erheben, als welches alpenländische Zitherasten auf der ganzen Welt gefürchtet sind.

Doch nun erschüttert ein sensationeller Fund im oberbayerischen Chiemgau das unantastbare Leergebäude der traditionellen zitheronomischen Dreifaltigkeit von Zitherich, Zitherin und Zitheria: Unbemerkt von der zitherophilen Elite des Landes hat sich im Schatten der großen Koalition von Zitherspülern, Zitheratoren und Zitherosauriern eine völlig neuartige Form zitherotrophen Lebens entwickelt: EL ZITHERACCHI.

„Es handelt sich eindeutig um einen räuberischen Organismus“, warnt der weltbekannte Hintertupfinger Zitheraturexperte Teddy Zitheranto: „EL ZITHERACCHI ist ein mutierter Zitheride ohne Fressfeinde, ein nomadischer Hybride, der auf ausgedehnten Fresswanderungen die DNA artfremder musikalischer Spezies assimiliert. Man könnte das als eine Art Modernes Raubzithertum bezeichnen.”

Eine reale Bedrohung für das natürliche Bleichgesicht unser heimischen Zitheria oder nur ein unerträglicher Zustand für jeden Grotto Normalzitherer? – „Modernes Raubzithertum ist eine Laune der Natur, so etwas dürfte es eigentlich gar nicht geben“, ereiferte sich da neulich die Zitherosophin Angelika Deibl in einem Leidmatrikel der Süddeutschen Zitherung. „Wenn die Natur gewollt hätte, dass der Mensch auf diese Art die Zither spielt, hätte die Evolution uns nicht zwei Hände gegeben – sondern drei.”